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20.02.2007

Hirtenbrief zur Fastenzeit: Das tägliche Gebet

Zur Fastenzeit hat Diözesanbischof Wilhelm Egger einen Hirtenbrief über „Das tägliche Gebet“ geschrieben. Darin will Bischof Egger die Gläubigen nicht nur zum Gebet ermutigen, sondern auch dazu anregen, die Schönheit des Betens neu zu entdecken. So geht Bischof Egger in seinem Hirtenbrief auf drei tägliche Gebetszeiten ein: Das Morgengebet, bei dem ein bewusst vollzogenes Kreuzzeichen dem Tag sein Gesicht geben kann, das Tischgebet, Ausdruck des Dankes für die Gaben Gottes und das Abendgebet. Auch ein Wort an die Kinder enthält dieses Schreiben. „Für unser christliches Leben ist eine Lebens- und Gebetsordnung hilfreich, genau so wie für die Familien eine Haus- und Gebetsordnung das Miteinander stärkt, weil dadurch der Alltag einen religiösen Rhythmus bekommt“, schreibt Bischof Egger und weist damit darauf hin, dass heuer im Bistum Bozen-Brixen besondere Aufmerksamkeit der Familie geschenkt wird. „Wir wissen“ – so der Bischof abschließend – „dass gerade das Beten den Zusammenhalt in der Familie stärkt.“

Das tägliche Gebet
Hirtenbrief zur Fastenzeit 2007
 
 
Liebe Gläubige!
 
Umfragen zeigen, dass viele Menschen beten, sogar täglich, allein, in der Familie oder in einer Gemeinschaft. Deshalb möchte ich am Beginn der Fastenzeit ermutigen, bei dieser guten Gewohnheit zu bleiben und auch die Schönheit des Betens wieder neu zu entdecken oder bewusst zu machen. Ich möchte dabei besonders auf drei „Gebetszeiten“ hinweisen. Sie können den Ablauf des Tages im persönlichen Leben wie auch in der Familie prägen.
 
Das Morgengebet
Die erste Gebetszeit am Morgen ist in der Regel kurz. In Gesprächen mit den vielen Firmlingen, die mich besuchen, kommen wir manchmal auf das Beten, auch das tägliche Beten zu sprechen. Dabei wird immer wieder betont, dass es am Morgen hastig zugeht und kaum Zeit für ein Gebet bleibt. So empfehle ich den Firmlingen, bewusst das Kreuzzeichen zu machen. Das dauert nicht lang, kann aber dem Tag sein Gesicht geben. Denn auch für den Tag gilt: „Gut begonnen ist halb gewonnen“.
Was gewinnt der Tag durch ein bewusstes, wenn auch kurzes Gebet? Jeder Tag ist gekennzeichnet durch eine Fülle von unterschiedlichen Gesprächen. Bei diesen vielen Gesprächen am Beginn des Tages dürfen wir Christinnen und Christen ein besonderes Gespräch führen: das mit Gott. Dadurch kann uns bewusst werden: Gott geht mit uns durch den Tag. Jeder Tag bringt außerdem vielfältige Begegnungen und stellt uns immer wieder in viele Beziehungen. Das Kreuzzeichen, mit dem wir uns am Morgen bezeichnen, hat mit Beziehung zu tun. Durch das Kreuzzeichen drücken wir unseren Glauben an den dreifaltigen Gott aus: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Damit bekennen wir das tiefste Geheimnis unseres Glaubens. Wir stehen in Beziehung zum dreifaltigen Gott und wir bilden als Glaubende eine große Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern. Wenn manches an unseren Beziehungen zu den Menschen krankt, kann das Wissen um die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen Heilung bewirken.
Wenn wir uns gläubig mit dem Kreuz bezeichnen, bezeugen wir, dass wir zu Christus gehören wollen, und dass wir auch innerlich gekennzeichnet sein möchten von der Verbindung mit ihm.
 
Das Tischgebet
Die zweite Gebetszeit ist das Tischgebet. Das Tischgebet ordnet auch den Ablauf des Essens: wir warten, bis alle da sind, dann erst beginnen wir mit dem Gebet. Nach dem Gebet wünschen wir uns „Guten Appetit“ und beginnen dann mit dem Essen.
Das Tischgebet ist deshalb wichtig, weil wir uns dadurch dankbar zeigen für die Gaben Gottes. In unserer Wohlstandsgesellschaft ist der Tisch bei den meisten reich gedeckt. So könnte der Eindruck entstehen, dass das alles selbstverständlich ist. Wenn schon im Zusammenleben der Menschen Anerkennung und Dank für empfangene Gaben wichtig sind, gilt das auch Gott gegenüber. Dankbarkeit gegenüber Gott ist wichtig, weil wir ihn sonst immer mehr aus den Augen verlieren. Der heilige Paulus sagt sogar, dass die Heiden den Götzen verfallen sind, weil sie Gott, den sie aus seinen Gaben erkennen konnten, nicht gedankt haben. „Denn sie (die Heiden) haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert“ (Röm 1,21).
Die Bibel unterrichtet uns auch über das Tischgebet Jesu. Zur Zeit Jesu wurde am Beginn und am Ende des Mahles ein Segensgebet gesprochen und dabei hat man auch der großen Taten Gottes gedacht. In der jüdischen Tradition spielt dieser Tischsegen eine große Rolle. Beim letzten Abendmahl erweitert Jesus jüdische Formen des Tischgebetes zur Feier der Eucharistie. In den Berichten über die wunderbare Brotvermehrung und die Einsetzung der Eucharistie wird immer erwähnt, dass Jesus den Segen über die Speisen sprach und sie erst dann verteilte.
Der jüdische Gelehrte Jehuda Hallevi schreibt im 12. Jahrhundert: ”Mit dem Segen des Tischgebets verdoppeln wir den Genuss der Speisen, denn wir waren dadurch Gast an der Tafel Gottes”.
Zum Tischgebet braucht es manchmal auch einen gewissen Mut, wenn jemand z. B. im Gasthaus isst. Solches Gebet ist sicher auch ein Zeugnis des Glaubens und macht uns immer wieder bewusst, dass uns Gott mit seinen Gaben beschenkt.
 
Das Abendgebet
Das Abendgebet ist ein guter Abschluss des Tages. Für den hl. Josef Freinademetz war das Abendgebet besonders wichtig. Wer zu seiner Zeit in China getauft werden wollte, musste dreißig Abendgebete auswendig lernen. Nun, wir brauchen nicht dreißig Abendgebete zu lernen, aber das eine oder andere Abendgebet sollte uns vertraut sein. Zum Abendgebet gehört der Dank an Gott für den Tag. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“, heißt es im Sprichwort. Am Abend können wir den Tag loben, auch dadurch, dass wir uns bemühen, das Gute zu sehen und dafür Gott zu danken. Am Abend bitten wir auch um Vergebung für das, was falsch war; in der Familie wird dies durch ein gutes Wort wieder gut gemacht, wenn es Streit gegeben hat. Manche Menschen leiden unter Schlaflosigkeit oder wissen, dass in der Nacht manche Sorge lebendig wird. So hat Matthias Claudius in seinem schönen Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ eine Bitte an Gott formuliert: „Und lass uns ruhig schlafen! Und unsern kranken Nachbarn auch!“ Vorlagen für Abendgebete, die wir persönlich auch abändern können, finden sich etwa im Gotteslob Nr. 18.
 
Ein Wort an die Kinder: Liebe Kinder!
In eurer Familie, im Kindergarten, in der Schule und in der Kirche habt ihr gehört, dass Jesus euch liebt. Wir dürfen Jesus lieben und dürfen ihm auch sagen, dass wir ihn lieben. Manchmal könnten wir aber vergessen, dass Jesus uns gern hat. Deshalb ist es eine gute Gewohnheit, wenn wir am Morgen, bei Tisch und am Abend mit Jesus reden und ihm sagen, dass wir ihn lieben. So können wir den Tag gut beginnen, denken auch während des Tages an Jesus und schließen den Tag mit einem guten Gedanken an Jesus ab. Am Abend bittet ihr eure Eltern, dass sie euch mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn segnen.
 
Rituale
In unserer Zeit sehnen sich die Menschen wieder mehr nach Stabilität und Sicherheit und einer bestimmten Ordnung. Es wird oft betont, wie wichtig es ist, auf Verlässlichkeit und Zugehörigkeit bauen zu können. Deshalb ist es wichtig, gute Bräuche und Rituale zu pflegen. Wenn wir gute Gewohnheiten haben, gelingt unser Leben leichter und wir eignen uns eine gewisse Ordnung des Lebens an. Die guten Gewohnheiten helfen uns, dass wir Wichtiges in Erinnerung behalten und dass wir nicht gar zu sehr in Stress geraten, wenn am Ende eines Tages oder einer Woche noch alles Mögliche zu tun wäre. Für unser christliches Leben ist eine Lebens- und Gebetsordnung hilfreich, genau so wie für die Familien eine Haus- und Gebetsordnung das Miteinander stärkt, weil dadurch der Alltag einen religiösen Rhythmus bekommt.
Wenn wir im heurigen Jahr in der Diözese besonders die Familie im Blick haben, so wissen wir, dass gerade das Beten den Zusammenhalt in der Familie stärkt.
Möge bei allen durch das regelmäßige Gebet unsere Verbundenheit mit Christus und unsere Freude am Glauben wachsen, das wünscht

Wilhelm Egger, Bischof
Aschermittwoch 2007

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